Chronik

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Isserstedt

Bei Ausgrabungen im Siedlungsgebiet von Isserstedt traten Funde zutage, welche auf die Jungsteinzeit, ca. 3000 Jahre vor Christus datiert wurden. Isserstedt gehörte aufgrund der territoriellen Lage über Jahrhunderte zum Fürstentum Weimar, später Sachsen – Weimar. Bereits 1589 wurde durch die Landesfürsten schriftlich festgelegt, dass auf dem Lande jeder vermögende Bauer halten sollte:
-einen ledernen Wassereimer
-eine Spritze.

Diese Anschaffungen sollten den Feuerlöschwesen dienen. So gab es schon ab 1734 Regelungen im Fürstentum Sachsen – Weimar, welche der Verhütung von Brandkatastrophen dienen sollten:
-Backöfen sollten auf den Dörfern aus den Häusern geschafft werden und an einem unsachädlichen Ort gesetzt werden.
-Im Jahre 1756 wurde bestimmt, dass im Brandfall und nach dessen Löschung mindestens 2 bis 3 volle Tage Brandwachen gestellt werden sollten. Diese Wachen sollten möglichst alle 12 Stunden eine Ablösung durch je 1 Mann pro Handwerk erfolgten.
-Bereits im Jahre 1759 wurde eine Feuerordnung erstellt, welche für die Haushalte den Brandschutz festlegte.

So sollten in den Gemeinden folgende Gegenstände in ausreichender Zahl vorhanden sein:
-große Spritzen aus Messing oder Tragspritzen
-große hölzerne Kupferspritzen
-lederne Eimer
-verschienden Arten von Leitern mit einsernen Stacheln
-Bändern und Hebestangen
-Feuerhaken mit langen Federn und Stacheln.

1760 wurde jeder Einwohner dazu verpflichtet, im Brandfalle zur Stelle zueilen und die entsprechnden Gerätschaften mitzuführen, welche zur Brandbekämpfung dienen.

1. urkundliche Erwähnung
In einer Urkunde vom 22.03.1783, „Verordnung der Generalpolizeilichen Direktion“ des Fürstentumes Sachsen – Weimar, ist die Rede über eine Feuer – Anstalt in Isserstedt. Dies ist die derzeit die älteste bekannte urkundliche Erwähnung über das Löschwesen in der Gemeinde Isserstedt. Diese Feuer – Anstalten waren die Vorläufer der heutigen Feuerwehren und sind auch als Pflichtwehren bekannt. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches, nach 1870, wurde der heutige bekannte Begriff „Feuerwehr“ als Standartbezeichnung für das Löschwesen eingeführt. Nach den o.g. Fakten gibt es allso seit 1783 offizielle eine Feuerwehr in der Gemeinde Isserstedt! Antiqua">Anhand von Protokollen, handschriftlichen Bereichten und behördlichen Untersuchnungen sind für die Gemeinde Isserstedt eine Vielzahl von Bränden belegt. Darunter befinden sich Aufzeichnungen zu einem Brandfall am 06.11.1879. Hier wurden 6 Gebäude der Gemeinde Isserstedt zerstört, bzw. stark beschädigt. Dies teilte der Gemeindevorstand am 14.11.1879 der Großherzoglichen Bezirksdirektion mit. Aus den vorhandenen Aufzeichnungen geht hervor, dass 3 weitere Feuer – Anstaltung aus den Orten Heressen, Oberndorf und Nauendorf zum Einsatz kamen. Aus diesem Großbrand zog die Gemeinde Isserstedt ihre Lehren und schloss nur weinigen Tage später, am 20.11.1879 einen Vertrag mit dem Feuerspritzen – Fabrikanten „Christian Stetefeldt“ aus Arnstadt ab. Dieser Vertrag beinhaltete die Lieferung einer neuen Saug- und Schlauchspritze, sowie eine Lieferung von 200 Metern Schlauch. Die Lieferung sollte bis zum 01.01.1880 erfolgen. Als Leistungsmerkmale wurden vereinbart:
br> Bei einer Bedienung vom 12 bis 15 Mann sollte die Spritze einen Wasserstrahl von 30 Metern im Bogen oder eine Höhe von 25 Metern erreichen. Die Föderleistung der Spritze sollte bei 400 Litern Wasser liegen.

Am 27.11.1879 wurde durch die Gemeinde Isserstedt, bei der gleichen genannten Firma, ein neuer Wasserzubringer bestellt.
Als Leistungsmerkmale sollte dieser bringen:
Bei einer Bedienung von 10 bis 12 Mann sollte das Wasser angesaugt werden und einige 100 Meter transportiert werden
Beim Einsatz bei einem Löschangriffes, sollte er einen Wasserstrahl von 25 Metern Weite oder von 20 Metern Höhe erzeugen
Als Förderung sollten 300 Liter Wasser erreicht werden.

Der heutige bekannte Begriff „Feuerwehr“ selbst, tauchte für die Gemeinde Isserstedt erstmals in einem Ortsstatut aus dem Jahre 1881 auf. Dieses Statut wurde durch den Gemeinderat am 24.Juli 1882 beschlossen und im Januar 1883 durch den großherzoglichen Direktor des II Verwaltungsbezirkes bestätigt. Durch diese Schrift wurde die Feuer – Anstalt Isserstedt zur Feuerwehr.

Bereits zu dieser Zeit gab es Disziplinarverstöße. Auf diese wurde mit der Schaffung eines Diszipinar – Strafreglements für die Feuerwehren des Großherzogtumes Sachsen – Weimar reagiert. Die Verordnung trat am 04.11.1884 in Kraft. Es folgten Verordnungen zur Hilfeleistung der Gemeinden bei Waldbränden im Jahre 1885 und 1896 eine Verordnung über die Beschaffung Ausrüstungsgegenständen und einheitlichen Uniformen. Über den Zeitraum von 1880 bis ca. 1921 liegen der Feuerwehr Isserstedt eine Vielzahl von Dokumenten vor, welche den Rückschluß auf Mannschaftsbestände und Ausrüstungsgegenstände erlauben. So besaß die Wehr 1882:
-2 Feuerspritz
-1 Wasserzubringer
-4 Leitern
-7 Haken
-4 Gabeln
-205 Meter Schlauch
-12 Feuereimer

Als Mannschaftsbestand führte die Wehr namendlich 18 Personen.  Ein Jahr später, 1883 waren es 16 Mitglieder in der Feuerwehr. Im Jahre 1886 hatte die Wehr dann bereits 34 Mitglieder. 1886  gehörte zum Inventar der Feuerwehr:
-3 Spritzen, 2 Hakenleitern, 1 Stützleiter, 3 gewöhnliche Leitern, 6 Feuerhaken, 4 Gabeln, 2 Doppeläxte, 1 Schlauchbrücke, 1 Schlauchschere, 1 Räumnadel, 1 Fangleine, 1 Signalpfeife, 7 Helme, 8 Röcke, 26 Mützen, 7 Gurte mit Beilhaken, 3 Beile und 12 Feuereimer.

Über die Jahrhundertwende, bis 1921 hatte die Wehr ständig um die 15 Manner als Mitglieder. Zum Einsatzgeschehen kann man sagen, dass es über die Jahre mehrere Wald- und Wohnungsbrände in Isserstedt gab. Die Gemeinde Isserstedt gehörte teritorial nun zum Landkreis Stadtroda.

Von 1903 bis 1917 fungierte als Wehrführer Hugo Becker. Ab 1917 übernahm die Wehrführung Hugo Hafermalz. Im Laufe der weiteren Jahre kam dann immer wieder neue Technik dazu und die Motoriesierung hielt Einzug in der Feuerwehr. Dazu gehörte die erste Kleinmotorspritze. Eine zweite wurde durch die Wehr beantragt. Weiter waren im Bestand 1 Schlauchwagen und 2 Handdruckspritzen. Noch vor Kriegbeginn im Jahre 1939 gehörten der Wehr 22 Mitglieder an. Als Brandgeschehen aus dem Jahre 1939 ist ein Scheunenbrand im September beim damaligen Bürgermeister bekannt.

Der zweite Weltkrieg begann und auch Mitglieder der Isserstedter Wehr wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Über die Jahre des Krieges von 1939 bis 1945 liegen fast keine Aufzeichnungen vor. Über die Kriegsjahre wurde das Feuerlöschwesen der Polizei unterstellt. Als einziges aus diesen Jahren wurde ein Dachstuhlbrand im Oktober 1943 bekannt. Plötzlich ertönte die Tremolo Fanfare und aus der Not geboren wurde die Motorspritze durch einen Heimaturlauber bemannt und bedient, an einem der Strahrohre taten unter anderen ein 11 jährige Junge Dienst.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 wurden durch die neuen Machthaber die Wehrleitungen gesäubert. Dazu gab es eine Bestimmung, dass kein ehemaliges Angehöriger der „NSDAP“ als Wehrführer mehr fungieren durfte. Im Jahre 1946 wurden die Feuerwehren wieder aus der Polizei ausgegliedert und in die Zuständigkeit der Gemeinden übergeben. Als Wehrleiter fungierte nun Paul Guthmann. Die Wehrstärke für die Feuerwehr Isserstedt wurde durch den Landkreis Stadtroda auf 20 Mann festgelegt.

Ab den 50er Jahren, bis zur Wende 1989, wurden die Feuerwehren dann durch die Abteilung „F“ der Polizei geführt. Die Gemeinde Isserstedt gehörte territoral nun zum Landkreis Jena. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Gerätehaus der FF – Isserstedt am damaligen Brauhaus. 1952 folgte als Wehrleiter Franz Zaubitzer. 1957 begann man mit dem Bau des ersten neuen Gerätehauses für die Feuerwehr. Jedoch stellte sich knapp 10 Jahre später heraus, dass dieses Haus zu klein war. 1962 erhielt die Gemeinde einen Tragkraftspritzenanhänger TSA – TS8. So wurde 1965 mit dem Bau eines neuen Gerätehauses begonnen. Der Bau lief unter der Federführung des damaligen Bürgermeister Hugo Grau und damaligen Wehrleiter Günther Lückmann. 1966 wurde das Gerätehaus fertig gestellt. 1967 kam ein LF8 Typ LO zum Einsatz in der Wehr. Die Freiwillige Feuerwehr Isserstedt wurde als Stützpunktwehr einklassefiziert. 1968 feierte die Wehr ihr 75 jähriges Bestehen. Man ging zur damaligen Zeit von einer Gründung der Wehr im Jahre 1893 aus. Zum Ausrückebereich der FF – Isserstedt gehörten unter anderen die Gemeinden Vierzehnheiligen, Krippendorf, Altengönna, Lehesten, Rödigen, Lützeroda, Cospeda, Closewitz, Kleinromstedt, Großromstedt, Kappellendorf, Holstedt, Kötschau, Großschwabhausen, Münchenroda, Remderoda Dornburg und Zimmern.

Zum Brandgeschehen während dieser Zeit ist aktenkundig:
28.06.1970 Gasexplosion in der Kanalisation von Isserstedt, Ursache Einleitung von Waschbenzin
02.04.1971 Brand Hühnerstallanlage, Verbrennung von Verpackungsmaterial
24.02.1971 Brand in der Schweinestallanlage Großschwabhausen, Entzündung Einstreumaterials (Sägespäne)
15.05.1971 Scheunenbrand in Isserstedt, Ursache vermutlich eine weggeworfene Zigarette.
18.05.1971 Scheunenbrand LPG Großschwabhausen, zum Einsatz kamen FF – Isserstedt, Vierzehnheiligen und Lützeroda
10.08.1971 Flur Cospeda Waldbrand, Einsatz FF – Isserstedt und Komando F – Jena, Ursache vermutlich Rauchen im Wald
16.08.1971 Brand am Schneckenberg, Verbrennung von Abraum und Reißig, aufgrund der Trockenheit außerkontrolle geraten und 10ha Wald verbrannt, zum Einsatz kamen FF – Isserstedt, Münchenroda, Großschwabhausen und das Komando F – Jena, sowie Weimar.

Zum Aufgabengebiet der Feuerwehren zur DDR – Zeit gehörte nicht nur die Brandbekämpfung, sondern auch der vorbeugende Brandschutz. So wurden Brandschutzkontrollen in den Haushalten und in der ansässigen Landwirtschaft durchgeführt.
03.12.1981 Wohnungsbrand im Schulgebäude, Ursache der Inhalt einer Büchse Leim hatte sich verflüssigt und war auf den Herd gelaufen, dabei hatte sich diese Flüssigkeit entzündet, Folge war starke Rauchentwicklung
Ab 1982 führte die Wehr Reinhard Fischer.

 1983 feierte die Wehr ihr 90 jähriges Bestehen. Als Gründer der Wehr 1893 galten der damalige Bürgermeister Albert Ellinger und Otto Becker. Bis über die Wende 1989/90 hinaus führte die Wehr Lothar Lückmann. 1990 wurde der alte LO LF8 durch einen LO2000 LF8 abgelößt. Dieser gehörte zum Bestand bis 1996.

Auch für die FF – Isserstedt ändert sich das Aufgabengebiet. Zu den Aufgaben des vorbeugenden und aktiven Brandschutzes kamen nun noch Aufgaben der technischen Hilfeleistung dazu. Die vorhandene Technik reichte nun nicht mehr aus.

Im Jahre 1992 wurde der Feuerwehrverein von Isserstedt gegründet.

Die Gemeinde Isserstedt wurde 1994 zur Stadt Jena eingemeindet.

Die Gegebenheiten des alten Grätehauses reichten nun nicht mehr aus, so wurde 1994 ein neues Gerätehaus erbaut. Im gleichen Jahre wurde ein neues Löschfahrzeug angeschafft. Dabei handelt es sich um ein TLF 16/25 Typ Iveco. 1995 kam noch ein weiteres Fahrzeug dazu. Es handelt sich um einen MTW von Typ Ford Transit. 1997 erhielt die Wehr ein SW 3000 Typ W50 Bj. 1981.

Die Isserstedter Wehr gehört heute zu den Wehren der Stadt Jena mit einem hohen Einsatzaufkommen. Dazu gehören insbesonders Einsätze bei Verkehrsunfällen.

Einen wesentlichen Anteil bei der Zusammentragung der hier vorliegenden geschichtlichen Fakten hatte der Kameraden Günther Lückmann, als langjähriger Wehrleiter und Klaus-Dieter Dunkel, als ehemaliger Bürgermeister. Vergessen wollen wir nicht, dass die FF – Isserstedt seit 1996 eine schlagkräftige Jugendfeuerwehr besitzt, unter der Leitung von Jens Bradke. Im Jahre 2003 wurde das 220 jähriges Bestehen einer Feuerwehr in Isserstedt gefeiert. Als jetziger Wehrleiter fungiert Roland Becher.

DFV THfV DJF